25 Grad und Sonne. So war es angekündigt. 18 Grad, Sturm und Wolken habe ich bekommen. Und dennoch, soviel sei bereits verraten: es war mir ein Inneres Blumenpflücken!
Der Plan war simpel: So weit und so lange zu fahren, wie nie zuvor. Mit dem Hella Halbmarathon vor der Brust hatte ich meine Beine in den letzten Wochen noch geschont, aber jetzt stand dem Vorhaben nichts mehr im Wege. Angepeilt waren 200 Kilometer, doch die Wettervorhersage und die (wohl vernünftigen) Einwände meiner Frau, bewogen mich dazu, auf knappe 170 Kilometer zu reduzieren.
Die Tour
Die Tour selbst hatte ich längst geplant: Die Küste der Lübecker Bucht entlang, hinterm Hansa Park links, einmal über den Bungsberg hinweg und in Hohwacht wieder zurück an die Küste. Von dort aus ins Landesinnere, noch den zweithöchsten „Berg“ Schleswig-Holsteins, den Pilsberg, mitnehmen, und über die schönen Seen um Eutin, Malente und Plön zurück nach Lübeck.
Samstagmorgen um 07.00 Uhr bin ich dann auch einigermaßen pünktlich losgekommen, habe mich, nicht ohne Verlust einiger Nervenstränge, durch Lübeck und Schwartau hindurchgekämpft und war eine knappe Stunde später endlich an der Küste. Und wie zu erwarten war: der Morgen am Brodtener Ufer ist traumhaft, besonders, wenn keine anderen Menschen da sind. Ich konnte nicht anders, als mich einige Minuten auf eine Bank zu setzen und Luft und Aussicht zu genießen.
Dann ging es weiter an der Küste entlang und ich folgte schönen, einsamen Straßen und Wegen, bis mir endlich ein kleinerer Anstieg entgegentrat: Der Bungsberg war eines der Ziele, um die herum ich meine Tour geplant hatte. Es war auch wirklich ganz nett, mal wieder für ein paar Minuten durchgehend bergauf zu fahren. Doch letztlich ist die Steigung mit den wenigen Prozentpunkten und Höhenmetern kaum der Rede wert. Vermutlich ist, wie bei so vielen Dingen, entscheidend, welchen Weg man wählt. Nächstes Mal probiere ich eine andere Strecke.
Hohwacht
Die norddeutsche Idylle trug mich danach ohne große Mühe weiter bis nach Hohwacht. Über den eigentlichen Ort kann ich nicht so viel sagen, aber letztlich ist er wohl auch bloß eines der vielen Touristenstädtchen an der Ostseeküste. Ist aber nicht schlimm. Ich und die meisten anderen sind hier, um am Strand zu sein, aufs Wasser zu blicken, ein Fischbrötchen zu essen und die Seele baumeln zu lassen. Und dafür ist Hohwacht großartig. Das Wasser ist schön, der Strand sauber, aufgeräumt und nicht zu sehr mit touristischem Gedöns aufgeladen.
Trotzdem bin ich nach einer etwa zwanzigminütigen Cola-Schokoriegel-Strand-Pause wieder aufgebrochen und stürzte mich zurück ins Landesinnere. Viel Wind und überraschend wellige Straßen nahmen mich in Empfang und deuteten an, dass der zweite Teil nicht ganz so harmlos werden sollte.
Hinwege sind oft schöner
Dabei war die Strecke, die ich mir mit Hilfe der komoot-Vorschläge zusammengebaut hatte, außergewöhnlich schön und bot auch auf 170 Kilometern genügend Ruhe und zugleich Abwechslung. Dennoch merkte ich, dass meine Beine nachließen und der immer dunkler werdende Himmel ein Drohszenario aus Gewittergüssen und zuhause gelassenen Regenklamotten aufbaute.
Zunächst aber ging es trocken über den Pilsberg hinweg, der sich gut in die hügelige Landschaft einfügte und mir sogar etwas mehr wehtat, als der Bungsberg. Die wellige, norddeutsche Landschaft führte mich durch kaum noch unterscheidbare Schönheiten, bis ich schließlich unvermittelt in Bad Malente landete und meine zweite echte Pause direkt am Ufer des Dieksees einlegte. Wer noch nie hier gewesen ist, sollte etwas länger verweilen und sich möglichst die Zeit nehmen, auch die umliegenden Seen zu besuchen, allen voran den Plöner See.
Für mich ging es jedoch gleich weiter und auf die letzten Kilometer nach Lübeck, immer auf der Flucht vor Gewitterwolken und der drohenden Laktatschwemme – aber, siehe da: beidem entkam ich und konnte nach 173 Kilometer zufrieden und abgekämpft vom Rad steigen und die Beine hochlegen. Was ich tat und mich nur noch aufraffte, meinen Laptop zu holen und diese Zeilen zu schreiben. Und doch, auch kurz nach der Fahrt weiß ich: es war nicht die letzte lange Ausfahrt in diesem Jahr. Die 200 sind fällig.
