Jogging Ausflug nach Gothmund

Erster langer Lauf des Jahres. Klar, Mai ist etwas spät, doch es dauerte dieses Jahr ein wenig, bis ich das Selbstbewusstsein für eine längere Strecke aufbringen konnte. Doch nachdem die Verletzung aus dem Winter ausgestanden war und ich etwas Zeit hatte, meinen verholzten Körper wieder ans Laufen zu gewöhnen, schnürte ich bei schönstem Sonnenschein die Nikes.

Mein Ziel war das historische Fischerdorf Gothmund, das äußerst idyllisch am Rande des Naturschutzgebiets Schellbruch liegt und sich noch immer einiger Beliebtheit erfreut.

Die ersten Kilometer meines Laufes kann ich dabei geflissentlich überspringen, da ich zunächst äußerst schlicht durch Lübecker Wohngebiete getrampelt bin. Doch dann war ich plötzlich im Schellbruch. Und ich war beinahe sprachlos, obwohl ich zuvor schon oft hier gewesen bin: das Licht war schöner, die Luft frischer, die Natur erquickter und ich selbst vermutlich offenherziger als je zuvor. Es ist jedenfalls ein Erlebnis, frohen Mutes an den so genannten Lagunen entlangzulaufen, bis man schließlich die Trave erreicht und sich zwischen Naturschutzgebiet und ruhig dahinziehender Trave weiter in Richtung Gothmund bewegt.

Das ging für einige Kilometer so, bis ich schon aus einiger Entfernung die ikonischen Reetdächer des Fischerdörfchens erkennen konnte. Plötzlich endete der steinige, noch etwas matschige Weg mitten zwischen bestens gepflegten historischen Häusern und der mehr als 500 Jahre alte, erfreulicherweise autofreie Ort empfing den Läufer äußerst freundlich. Zwischen den Häusern hindurch führte mich der niedliche Fischerweg und im kleinen, natürlichen Hafen liegen noch einige Fischerboote, die tatsächlich genutzt werden.

Offenbar hat es hier früher einmal auch eine Künstlerkolonie gegeben und ich verstehe, weshalb. Könnte ich malen, würde ich es hier tun. Alles ist pure Idylle, wenn auch für Gutbetuchte – Leben in Gothmund kann nicht günstig sein.

Ich trabte gemütlich durch den Ort und fühlte mich ganz wohl, auch noch, als ich Gothmund in Richtung Israelsdorf verließ, einem auch seinerseits netten, aber doch sehr normalem und leicht spießigem Vorort. Schöner wurde es danach, denn es ging für einige Kilometer durch den Wesloer Forst, einem Wald, in dem ich oft wandere und laufe und der sich bei mir durch seine Wildheit und die zahlreichen Bunker-Ruinen beliebt gemacht hat.

Schließlich musste ich noch ein Stückchen durch die Lübecker Stadt zurücklegen, was mich nach den vergangenen Kilometer durch recht einsame Natur wie immer etwas anstrengte. Macht aber nichts. Was hängenbleibt ist der Schellbruch mit seiner rohen Schönheit, die unmittelbare Nähe zur Trave, die verschlafene Niedlichkeit Gothmunds und das Gefühl, noch viel öfter in den Wald gehen zu müssen. In diesem Sinne: bis nächsten Sonntag.

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