Hella Halbmarathon 2019 oder „die Hitzeschlacht“

Drei Monate Trainingsplan, zwei neue Paar Laufschuhe, schmerzende Muskeln und ein fast täglicher Kampf mit dem Schweinehund – all das, um 21,095 Kilometer durch Hamburg laufen zu können. Bei gemütlichen 36 Grad Celcius und nicht dem geringsten Fitzelchen einer Wolke am Himmel. Klingt wenig verlockend.

Doch was soll ich sagen? Es war ein Fest!

Der Start

Schon beim Start mitten auf der Reeperbahn herrschte beste Stimmung – auch bei mir, obwohl ich vor Nervosität ganz zappelig war. Darin unterschied ich mich dann auch nicht von meinen Mitläuferinnen T. und M.. Wir alle tippelten und plapperten aufgeregt im Schatten herum und irgendwie verging die Zeit bis zum großen Startschuss überraschend schnell.

Plötzlich ging es also los und wir gingen langsam auf die Startlinie zu. Das waren einige hundert Meter, bis dann zunächst ein leichter Trab begann, rundherum tausende weitere, schwitzende, mal mehr und mal weniger gut vorbereitete Läufer jeden Alters und Geschlechts. Das war schön, weil alle ein wahnsinniges Gemeinschaftsgefühl mit sich herumtrugen und schon auf den ersten Metern deutlich zu werden schien, dass wir kein Dreier, sondern ein Achttausenderteam sein würden.

Wahnsinn in Läufergestalt

So dachte ich. Bis zur ersten Verpflegungsstelle. Die kam leider, trotz Hitze, erst nach fünf Kilometern und die ausgetrocknete Meute verlor teilweise Vernunft und Anstand bei dem Versuch, sich so schnell wie möglich Wasser in und über den Kopf zu gießen.

Bei allem Verständnis – ich war selbst schon ziemlich angeschlagen – war es doch erschütternd zu sehen, wie rasch auch vernunftbegabte Menschen ihre fünf Sinne verlieren können, wenn die Elementarbedürfnisse bedroht scheinen. Und ich sage bewusst: „scheinen“, denn es gab ja reichlich Wasser und auch fortan war die Strecke gesäumt mit Duschen, Wasserbecken und vielen guten Menschen, die sich den Leiden der Läufer mit Wasserpistolen, Rasensprengern und anderen Freundlichkeiten entgegenstellten.

„Hamburg, meine Perle“

Zurück zum Lauf: Die Strecke führte traumhaft am Hafen und den Landungsbrücken entlang, wo wir zwar dem Sonnenschein erbarmungs- und schattenlos ausgesetzt waren, doch die Stimmung und das Drumherum entschädigten dafür. Durch den Wallringtunnel (spannend und erholsam, weil schattig) ging es zur Alster, die wir umrundeten und sogar noch einen Abstecher in die Wohngebiete machten, um auch wirklich auf die volle Distanz zu kommen.

Die letzten 2-3 Kilometer waren dann ein überwältigender Abschluss. Tausende standen am Rand und feuerten uns Läufer an. Manchmal hat einer den Namen auf unseren Startnummern gelesen und man durfte sogar persönlich angefeuert die letzten Energiereserven ausschöpfen. Über den Bahnhof Dammtor ging es am großen Park Planten un Blomen entlang bis zum Zielstrich an der Messehalle.

Auch dass es nochmal ein paar Meter bergauf ging, war irgendwie zu verschmerzen. Am Ende konnten wir Hand in Hand als Dreierteam die Ziellinie überqueren. Erschöpft, verschwitzt, mit roten Köpfen, leeren Beinen und vollen Herzen. Und dabei möchte ich es belassen.

Nur eines noch: Danke T., danke M., danke Hella und nicht zuletzt: danke Hamburg! Die Stadt und die Menschen darin verdienen jedes Fünkchen Liebe.

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